Wenn der Schein trügt …

Birgit Bachmann

Veranstaltungsort
Galerie allerArt, Raiffeisenplatz 1, 6700 Bludenz

Vernissage am Donnerstag, 7.3.2019 um 20.00 Uhr

Ausstellungsdauer 7. März bis 27. April 2019 jeweils Mittwoch bis Sonntag sowie Feiertag von 15.00 – 18.00 Uhr

 

Die Arbeiten der 1966 in Innervillgraten im Osttirol geborenen und heute im kärntnerischen Gmünd lebenden und arbeitenden Künstlerin Birgit Bachmann, die für ihre detailgenauen, realistischen Zeichnungen und Gemälde häufig Motive aus der Welt der Flora und Fauna entnimmt, versprühen in ihrem ornamentalen Aufbau auf den ersten Blick eine fast schwebende, poesievolle Leichtigkeit. Aber der Schein trügt. Beim näheren Einlassen auf die Arbeiten wird der Betrachter schnell einer zweiten Welt, einer Art Gegenwelt gewahr. Eine vordergründig schöne, heile Welt wird nämlich überlagert von einer gefühlsmässig bedrohlichen zweiten Ebene. Dem zunächst Lieblichen, Zarten und Bunten folgt die Irritation und Verunsicherung auf dem Fuß.

 

Waterboarding

Ein markantes Beispiel für diese Doppelbödigkeit ist beispielsweise das Bild „Waterboarding“, das die Künstlerin, die bei Arnulf Rainer an der Akademie der Bildenden Künste in Wien studiert hat, in der Remise Bludenz zeigt. Dabei handelt es sich um eine großformatige Zeichnung mit Buntstiften auf Transparentpapier. Dargestellt sind im Meer schwimmende Rotfeuerfische, die für ihre giftigen Hartstrahlen bekannt sind. In ihrer Detailgenauigkeit könnten sie einem Biologielehrbuch entstammen. Am Meeresgrund ist eine auf dem Rücken liegenden Figur auszumachen. Allerdings nur umrisshaft. Die Figur weist keine Binnenstruktur auf. Der Meeresgrund ist durch die Figur hindurch sichtbar und die Fische schwimmen über die Gestalt hinweg.

Mit dem Titel des Bildes spricht die Künstlerin eine der grausamsten Foltermethoden an. Denn beim „Waterboarden“ wird beim Opfer durch Ausnutzen des Würgereflexes physiologisch der Eindruck des unmittelbar drohenden Ertrinkens hervorgerufen, indem durch ein Tuch über Mund und Nase, das ständig mit Wasser übergossen wird, der Atemwiderstand stark erhöht wird.

Bachmann rückt mit dieser „Naturstudie mit Figur“ aber vor allem die Dramatik der aus Krisengebieten Flüchtenden, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen, ins Blickfeld. Zigtausende sind bereits ertrunken. Helfer werden vor Gericht gestellt, und diejenigen, die die Rettung verhindern und Fluchtrouten schließen wollen, werden populistisch bejubelt. Die Zeichnerin und Malerin kritisiert gesellschaftliche und politische Missstände, ohne aber moralisierend zu sein.

Auf die Räumlichkeit hinarbeiten Birgit Bachmann hält sich am liebsten im Atelier auf. Kein Wunder, sind doch ihre filigranen Zeichnungen enorm zeitaufwendig. An einer großformatigen Zeichnung arbeitet sie 180 bis 200 Stunden. Und wenn eine neue Ausstellung ansteht, so wie jetzt bei allerArt, versucht sie auch ganz gezielt auf die Räumlichkeit hinzuarbeiten. So hat sie denn auch für den Raum in der Remise eigens eine neue Serie geschaffen, die aus zehn kleinen Blättern besteht. Motiv dieses Zyklus‘, die den Titel „Homeless“ trägt, sind Wespennester. Auch hier kommt wieder die inhaltliche Dualität zu tragen. Wespen stechen, sind Quälgeister. Aber ihre Nester, die aus morschen, trockenen Holzstückchen, die zu Kügelchen zerkaut werden, errichtet werden, stellen eine Urform eines behaglichen „Wohnens“ dar. Sie stellen somit eine Metapher für die Sehnsüchte der Homeless People dar, zu denen letztlich auch die Migranten zählen. Kuratiert wird die Ausstellung von Andrea Fink.

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